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Der Schwindel
mit der Esoterik



Die Zuhälter der Aufmerksamkeit


Was öffentlich, in Zeitschriften, Büchern oder Veranstaltungen, als esoterischer Weg dargestellt und beschrieben wird, ist ein Irrweg. Und wer ihm folgt, geht genau 180° in die falsche Richtung. Ein gutes Beispiel dafür sind die einschlägigen Esoterik-Magazine. Dort wird alles, was in den Bereichen Esoterik, Bewußtsein, inneres Wachstum und Spiritualität interessant erscheint, aufgegriffen und — zu Worten weiterverarbeitet.

Die Macher solcher Produkte erwecken den Anschein, Zubringerdienste für echte innere Arbeit zu leisten — und sie verfolgen dabei vielleicht sogar die besten Absichten. Sie bilden sich ein, dem Sucher Alternativen aufzeigen zu können, Wege weisen zu können — etwa in Form der in Berichten oder Anzeigen vorgestellten Richtungen. Als könne der Sucher sich dann, wie aus einem Gemischtwarenladen, das für ihn Passende heraussuchen.

Solche Medien suggerieren sehr gerne, jetzt breche ein Neues Zeitalter an, bei dem veraltete Barrieren, die den normalen Menschen vom Geheimwissen trennten, niedergerissen würden und dieses Wissen endlich jedermann zugänglich werde. Es wird behauptet, es gebe nun neue Formen, neue Wege, neue Kommunikationsmöglichkeiten, und der Kontakt zur spirituellen Wahrheit könne hiermit einfacher und leichter hergestellt werden.

Tatsache ist jedoch, daß die Gesetzmäßigkeiten des WEGES seit Jahrtausenden genau dieselben sind. Zwar wechselt ständig die äußere Form, aber nicht das Wesentliche. Und das Wesentliche kann nicht durch jene Art von informativer Mitteilung bewältigt werden, die einem hier angepriesen und verkauft wird.

Mit wem wir es hier zu tun haben, sind Journalisten. Journalisten sind Zuhälter der Aufmerksamkeit. Journalisten verraten den von einer Wahrheit ausgelösten Krafteffekt an die Gier und Unverantwortlichkeit eines Marktes von gelangweilten und überdrüssigen Zivilisationskrüppeln. Ein Journalist ist der Natur der Sache entsprechend immer unecht und unaufrichtig — er betrügt nicht nur seine Leser für Geld, sondern verkauft dabei auch seine eigene Seele. Er zieht die Hülle des Oberflächenreizes von der Wirklichkeit und stärkt so die Scheinwirklichkeit des Wachschlafes. Damit erweist er sich als Handlanger all jener Kräfte, die Bewußtheit verringern und das Traumgespinst der Unbewußtheit um die Mitmenschen weben. Journalisten sind genau das eine nicht: Ihre Worte.
Der vorgetäuschte Kontakt

Die an Esoterik-Neuigkeiten Interessierten glauben, sie beschafften sich mit dem, was öffentlich dargeboten wird — und natürlich für Geld dargeboten wird, denn darum geht es ja —, echtes esoterisches Wissen. Das ist immer ein Irrtum. Denn dieses Wissen steckt gar nicht in diesem oder irgendeinem anderen Material, sondern vollzieht sich stets in einem Geschehen — und nur hier.

Ich möchte kurz darauf eingehen — das Thema läßt sich hier nur anreißen — um welche Art von Wissen es sich überhaupt handelt:
Wissen wird hier nicht als Informations- oder Datenwissen betrachtet, sondern als Fähigkeit und Kompetenz, das in einer bestimmten Situation akut Erforderliche zu tun. Beispielsweise das Wissen, wie eine Firma zu leiten ist, das Wissen, wie eine Krankheit zu heilen ist, das Wissen, wie man sich in einer überraschenden Krisensituation verhält oder einen emotionalen Konflikt löst. Also ein Wissen von praktischem Nutzen und Wert. Wir bezeichnen dieses Wissen als das einzig echte Wissen — das andere, das Schul-, Daten- und Sprech-Wissen, ist nur ein Abglanz davon, so wie die Erzählung über eine Mahlzeit nur der Abglanz des Essens ist.
Primärer und sekundärer Einfluß

Primärer Einfluß ist der Einfluß eines Lehrers oder Trainers. Nehmen Sie die klassische Meister-Lehrling-Beziehung im Handwerk, und Sie haben ein gutes Beispiel, was gemeint ist. Da geht es um praktisches Lernen, nicht um ein rein akademisches Studium. Primärer Einfluß geschieht immer nur direkt. Ein Handwerk können Sie nicht theoretisch lernen, sondern es muß Ihnen gezeigt werden. Anhand einer gezielten Anleitung müssen Sie bestimmte Erfahrungen sammeln, die in ihrer Gesamtheit zu einer konkreten Fähigkeit führen, zu einem Wissen als Können.

Primärer Einfluß ist der beste und effektivste Weg, zu echtem Wissen zu gelangen, und manchmal auch der einzig mögliche. Sonst müßten Sie dieses Wissen ganz allein neu erfinden, und das ist bei Dingen, die über viele Jahre, ja Zeitalter hinweg entwickelt worden sind, völlig unmöglich. Und dieser direkte Einfluß hat zugleich wichtige Begleiteffekte wie Förderung des Charakters, also der Aufrichtigkeit, Gewissenhaftigkeit und der eigenen Würde, ferner Stärkung des Willens, Humor und Ausgeglichenheit der Gemütsstimmung sowie Ausbildung zahlreicher weiterer latenter Fähigkeiten und Merkmale.


Sekundärer Einfluß entsteht aus Sekundärem Wissen, das ist der Wellenschlag, den Primärer Einfluß mit einiger Verzögerung in der Öffentlichkeit auslöst. Beispielsweise kann sich ein Einfluß, den Religionsstifter ausgelöst haben, in Schriften, Bauwerken oder Musikkompositionen wiedergespiegelt finden, oder in philosophischen oder politischen Schriften und Theorien. Es mag Zeitschriften, Fernsehsendungen oder Volkshochschulkurse darüber geben. Das ist Sekundäres Wissen. Es berichtet aus zweiter Hand über Erfahrungen, die andere im Bereich des Primären Einflusses gemacht haben. Wer hier nachzuforschen versucht und aus dem Gefundenen zu profitieren versucht, ist in der Lage eines Menschen, der aus den Hülsen von bereits gegessenen Früchten ein Verständnis der Früchte zu rekonstruieren versucht. Er kann nur äußerlich nachahmen, was innerlich zu verstehen ihm versagt bleibt. Der fortschreitende Verfall ursprünglicher Anstöße und das fortschreitende Verblassen der Kraft eines aktuellen Lehrimpulses in Imitationen wurde im Text Der lebendige Impuls bereits dargestellt.


Bei allen Esoterik-Magazinen sowie allen übrigen esoterischen Druckwerken und Medien, also auch Büchern, Tonbandaufzeichnungen, Tagebüchern oder Arbeitsnotizen handelt es sich immer um Sekundären Einfluß, nie um Primären Einfluß! Und, was den meisten so schwer zu begreifen fällt: Der Weg kann nicht zurückverfolgt werden. Denn man kann auch nicht einfach wie ein Detektiv mithilfe der vorhandenen Informationen zurückverfolgen, wo der Sekundäre Einfluß herkommt, um folgerichtig auf den Primären Einfluß zu stoßen.

Es kann so sein, es kann auch nicht so sein! Primärer Einfluß findet nicht nach Lehrplan und Terminkalender statt. Es kann sich dort, am Ort des früheren Primären Einflusses, jetzt ein Lehrer befinden, der zwar vorgibt, Primärer Einfluß zu sein, in Wahrheit aber nur Sekundärer Einfluß ist!
Falschgeld

Gehen Sie davon aus, daß in kaum einem Bereich menschlicher Aktivitäten so viel Schwindel und Täuschung betrieben wird wie gerade hier. Weil immer die Tendenz besteht, die Wahrheit, die teuer zu erwerben ist, für weniger Geld nachzumachen und mit demselbem oder höherem Gewinn zu verkaufen. Das ist ein Lebensgesetz. Und selbst beste Absichten und hingebungsvollste Einstellung bewahrt nicht vor der Gefahr, daß der Einfluß eine Stufe absinkt — wenn das Wissen verlorengeht. Denn dieses Wissen ist lebendig und kann nicht im Gefrierfach konserviert werden. Es lebt da, wo es leben will — wo es aufscheint und in Aktion tritt. Und das ist immer die konkrete, aktuelle Situation und die gerade da vorhandene Notwendigkeit. Das Leben ändert sich fortwährend, so auch die Situation, und so auch die Notwendigkeit. Das allein zeigt bereits, wie wertvoll und ungewöhnlich Primärer Einfluß ist.

Der dünkelhafte Esoteriker vermag Primären Einfluß nur im Besonderen zu lokalisieren: Die besonders imposante Autorität, der Meister mit der speziellen Ausstrahlung, oder irgendwelche höheren Mächte. Primären Einfluß vermutet er immer irgendwo da oben, weil er Eigenes auf Fremdes projiziert und das eigene Sein bis zur völligen Bedeutungslosigkeit abwertet — während sich die eingebildete Wichtigkeit seines spirituellen Egos mehr und mehr aufbläht.

Der Journalismus profitiert davon natürlich auf seine Weise und zieht das letzte Quentchen Kraft aus einem ehemals gültigen Anstoß. Im öffentlichen Bild der Esoterik entsteht mit seiner beflissenen Hilfe eine Art Landkarte der Besonderheiten und der Eminenzen: Da gibt es, wie im Showbusiness und in der Machtpolitik, die Wichtigen und Maßgeblichen, von denen man, wenn man auf dem laufenden sein will, wenigstens etwas gehört haben muß. Gebannt starrt in diesem Starkult der eine, der gern auch groß sein würde, auf die anderen, die angeblich groß sind, und vergleicht sich ständig mit ihnen, richtet seine Konzepte nach ihren Konzepten, seine Wertbegriffe nach ihren. Wer der Faszination dieser Szenerie — die der Pariser Haute Couture in vielem ähnelt — erst einmal erlegen ist, kommt nicht mehr so leicht auf einen nüchternen eigenen Gedanken.

Dann ist er am allerweitesten weg vom Primären Einfluß. Die nüchterne Wahrheit einer alltäglichen Situation, in der sich ebendieser Primäre Einfluß z.B. darin manifestiert, daß unser Nachbar einen Satz sagt, der uns etwas Unbekanntes verdeutlicht, oder unser Kind, oder ein Passant auf der Straße, kann nicht mehr wahrgenommen werden, weil sie nicht ins esoterische Register paßt.
Das Anklopfen des Geistes

Primärer Einfluß ist da, wo Lernen stattfindet. Wer lernen will, läßt sich hierbei führen. Er ist dankbarer Schüler — nicht nur beim angeblich größten Lehrer, sondern auch bei jeder alltäglichen Lebenssituation.

Es ist, als wirkten sowohl der ernsthafte Lernende als auch die spezielle Situation, in der sich der Primäre Einfluß (man kann auch sagen die Kraft) manifestiert, magnetisch und zögen sich gegenseitig an. Der Lernende hat in Wirklichkeit nicht die geringste Wahl — er hat in diesem Moment, wie die Sufis das nennen, vielmehr die Freiheit von der Wahl. Seine Aufrichtigkeit zwingt ihn, den Fingerzeig, den die Kraft für ihn bereithält, zu befolgen. Warum wählen oder eine bessere Situation suchen, wo doch genau diese eine Situation, genau diese Menschen in genau diesen Umständen, die bestmögliche Lernerfahrung akut anbieten?

Don Juan nennt dies das Anklopfen des Geistes. Der Geist sucht sich ein "Opfer" in Form des Lernenden, der Lernende wird erwählt.
Es ist eine Macht im Universum tätig, die all das arrangiert. Die Frage danach, ob dieses oder jenes Lern- oder Wachstumsangebot auch faszinierend genug wäre, daß ich mich vielleicht, vielleicht auch nicht, veranlaßt fühlen könnte, es als WEG in Erwägung zu ziehen — derartige kümmerliche "Gewissenserforschungen" sind nur Falschmünzerei — und genau das geschieht bei der üblichen Esoterik, und so etwas wird neuerdings auf "Märkten" ausgestellt und feilgeboten. Der ernsthafte, ehrliche Mensch verzichtet hier dankend und nimmt erst einmal seine ganz normale alltägliche Situation mit ihren zur Genüge vorhandenen Problemen als magnetische Situation. Nur solche Menschen können das Anklopfen wahrnehmen, wenn es geschieht. Was man so auf jeden Fall lernt, ist, wenigstens die Anforderungen des Alltagslebens zu lösen wie andere normale Leute auch, und nicht zu meinen, man wäre etwas Besseres.
Im Sumpf

Wie gesagt wurde, beschaffen sich die Leute fast zwanghaft Informationen über den WEG. Sie konsumieren Sekundäres Wissen als Ausläufer des Primären Wissens. Sie stopfen sich bis zu den Ohren voll mit allem, was sie kriegen können: Jede Art von New-Age-Trend und Bewußtseinslehre. Und genau damit verhindern sie, daß sie jemals noch wirklich etwas auf dem Gebiet lernen können.

Ein Sucher dieses Typs — die überwiegende Mehrzahl gehört hierzu — formt sich nämlich aus allen diesen Informationen ein eigenes Bild vom WEG und sucht dann etwas, das dazu paßt. Und damit entfernt er sich geradewegs vom Ziel — er macht sich unerreichbar für den Anstoß, der ihn weiterbringen könnte. Nämlich ein Anstoß, der seine vorgefaßte Meinung aushebelt. Noch subtilere Varianten dieses modernen Suchers stimmen dem sofort zu — denn sie sind ja immer auf dem neuesten Stand und haben auch das schon alles gelesen oder gehört — und so sagen sie: Ja, der oder das hebelt meine Vorstellungen aus, also ist es richtig.

Der Verstand schlägt hier jeden Haken — aber er betrügt sich am Ende nur selbst. Denn was auch immer unser progressiver Esoteriker tut, er zappelt stets in dem grundsätzlichen Dilemma: Daß er zu begreifen sucht, was sich außerhalb seines Begreifens tut — er versucht sich wie Münchhausen an seinem eigenen Esoterikwissen aus dem Sumpf seiner Situation zu ziehen, und diesen Sumpf kann er nun einmal nicht von außen manipulieren, weil er es selbst ist. Wie geschickt, kompliziert und wissend er sich auch gebärdet, seine grundsätzliche Lage ist und bleibt so hilflos wie die eines Babys, das sich nicht selbst die Milch geben kann.
Verengung durch Konditionierung

Die rettungslosesten und armseligsten Verirrten sind dabei jene Erfahrenen, die schon alles kennen und alles mitgemacht haben, die jahrelang Schulungen und Übungen und Ausbildungen durchlaufen haben und nun denken, sie würden sich auskennen. Mit denen läßt sich überhaupt nichts mehr machen. Sie leben inzwischen in einem fertig zugemauerten Elfenbeinturm eigener Göttlichkeit. Die meisten Bücher auf dem einschlägigen Markt stammen von solchen Exemplaren, da wimmelt es nur so von "Höheren Dimensionen", "Früheren Leben", "Schwingungen", "Chakren" und "Energien". Diese Menschen scharen Anhänger um sich und lassen sich von ihnen bewundern, und die Anhänger streben in dieselbe falsche Richtung, wollen möglichst so werden wie das Vorbild.

Dabei ist der Phrasenzauber ein entscheidender Bestandteil der Täuschung: Der Lehrer oder Meister sitzt auf einem Podest inmitten der Anhängerschar und hält Vorträge, beantwortet Fragen und verkündet seine Sicht der Dinge. Dieses stereotype Ritual dient dazu, den Anschein einer Lehr- und Lernsituation hervorzurufen. Entsprechend unserer kulturellen Konditionierung sind wir gewohnt, solchen Ritualen eine erzieherische Bedeutung beizumessen: Es erinnert an Schule, Rednerkanzel, Universitätsvorlesung, Kirchenpredigt.
Keiner kommt auf die Idee, sich zu überlegen, wo hier eigentlich das "Lernen" stattfinden soll, warum wohl alle Hörer zur gleichen Zeit dasselbe "lernen" und was sie eigentlich lernen. Wird Geigespielen oder Bergsteigen dadurch gelehrt, daß sich jemand in ähnlicher Weise öffentlich ausläßt? Wenn sich beim jeweiligen Lernenden der Lernprozeß an einer ganz individuellen Etappe befindet und einen ganz spezifischen Anstoß, eine ganz spezielle Erfahrung braucht — was soll sich dann durch solches Vortragen und Verkünden eigentlich ereignen?

Nun — die Hörenden nehmen Muster auf und verfestigen dabei ihre Einstellungen und Anschauungen. Durch Verwendung bestimmter wiederkehrender Vokabeln und neu geprägter Fachbegriffe wird die Auffassung bestärkt, besonderes Wissen mitgeteilt zu bekommen. Die Hörer sollen dann diese geistigen Muster in der Praxis zur Anwendung bringen. Sie verhalten sich also im Einzelfall nicht nach eigener Erkenntnis, sondern nach dem in sie eingepflanzten (neuen) Weltbild. In dem Maß, wie sie sich eingewöhnen, das wiederholt zu tun, erfahren sie eine Bestätigung, auf einem Weg vorwärtszukommen und interpretieren diese Konditionierung als "Lernen". In Wirklichkeit verengen sie ihr Bewußtsein durch Verstärkung der Muster, durch Umorganisierung ihres ganzen Wertens, Fühlens und Verhaltens hin auf das verkündete Weltbild. Je länger das geschieht, desto mehr schwindet ihre eigene Selbständigkeit und geistige Unabhängigkeit.

Da aber die gewöhnliche Erziehung heutiger Menschen sich ebenfalls als Konditionierung und Einprogrammierung vorgefertigter Muster und Verhaltensweisen vollzieht, kann man sagen: Das eine Weltbild wird nur durch ein anderes ersetzt.
Freiheit

Hinter all dem scheint die Frage nach der Freiheit auf. Die Menschen — und insbesondere all jene, die sich persönlich fortentwickeln wollen und an Erkenntnis und Erleuchtung interessiert sind — sagen, sie wollten Freiheit. Sie wollen sich ihre Freiheit nicht einschränken lassen. Sie wollen einen Zugewinn an Freiheit.

Was sie aber bekommen, ist weniger Freiheit. Und zwar vom ersten Schritt an. Sie orientieren sich nämlich an Richtungen, die sie von ihrer bereits vorhandenen eigenen Freiheit erlösen. Warum das? Die eigene Freiheit des Suchers war: Er saß allein in einem Zimmer in der Stadt oder auf dem Land und fühlte sich unverstanden. Er hatte keinen Kontakt und war unglücklich.
Diese Art von Freiheit schmeckt ihm aber nicht. Was er stattdessen sucht, ist Anschluß, ist Befreiung von der Einsamkeit, Befreiung von der Sinnlosigkeit, Befreiung von der Bedeutungsarmut seines eigenen Lebens. Man soll ihm einen Weg weisen, an den er sich halten, nach dem er sich orientieren kann. Und geschieht dies, so ist die fast automatische Folge die: Er wird sich besser fühlen. Er wird sich von seinem Leidensdruck erlöst fühlen. Und er findet andere, die ihn darin bestätigen.

Jetzt meine Frage: Ist das Freiheit? Es ist Unfreiheit. Seine desolate Situation, unter der er litt — das war Freiheit. Genau vor dieser Freiheit flüchtet er, weil er sie nicht ertragen kann. Natürlich sagt ihm das bei der Sekte, in die er gerät (und er kann nur in eine Sekte geraten, nicht auf den authentischen WEG zu noch mehr echter Freiheit, noch mehr echter Erkenntnis, zur wahren geistigen Unabhängigkeit und Stärke), keiner — woher auch? Es ist ja gerade die Basis der Sektengemeinschaft, das zu verdrängen. (Unter Sekte verstehe ich selbstverständlich auch die etablierten Kirchen.) Deshalb lehnt ihn dort ja auch keiner ab. Sondern man erzählt ihm, wie glücklich er sich schätzen könne, endlich den wahren Pfad gefunden zu haben. Die bloße Tatsache, daß er kommt, erweise, daß er vom Atem göttlicher Einsicht gestreift worden sei. Er gehöre nun zu den Auserwählten und steige hoch über das Alltagsleben hinauf.

Auch diesen Zusammenhang muß man verstehen: In jeder Gruppe, die die Bewältigung eines bestimmten Verständnisniveaus bereits als geleistet und beim Kandidaten vorhanden voraussetzt, würde man doch erst einmal prüfen, ob jemand, der an der Teilnahme interessiert ist, überhaupt dazu geeignet, überhaupt dazu fähig ist, oder nicht? Oder wird beispielsweise in Universitäten, Musikkonservatorien, Leistungssport- oder Bergsteigergruppen jeder, der interessiert ist, sofort genommen?

Ein Mensch, der es als Erleichterung empfindet, wenn man ihn von seinen Zweifeln erlöst und ihm mitteilt, was er tun soll, wendet sich von seiner Freiheit ab und geht den Weg in die entgegengesetzte Richtung, zur Unfreiheit.
Wollte er aber einmal wirkliche Freiheit erlangen, dann müßte er den ganzen falschen Weg wieder zurückgehen bis genau an den Punkt, wo er schon einmal gewesen ist und fortstrebte. Und dort, genau an dieser Stelle, müßte er in die Richtung wirklicher Freiheit weitergehen.
Auf eigene Beine kommen

Mehr Freiheit ist mehr Selbstverantwortung. Mehr Selbstverantwortung kommt, indem Sie selbst mehr Verantwortung übernehmen. Nicht weniger. Wie lernen wir, mehr Selbstverantwortung zu übernehmen? Indem wir uns noch mehr auf eigene Beine stellen, und schlottern uns auch die Beine dabei vor inneren Zweifeln und Unsicherheit.

Mehr Selbstverantwortung ist Selbst-Entscheiden, es ist nicht: Mehr Genuß, mehr Lust, mehr Angenehmes, mehr Macht, mehr Geborgenheit, mehr Erfahrungen, mehr Selbstdisziplin, mehr Askese, mehr Arbeit, mehr Übungen. Das alles kann kommen oder nicht. Der erste, allesentscheidende Schritt ist, daß Sie es entscheiden und dem Druck, der durch dieses Allein-schauen-Müssen entsteht, standhalten. Die Einsamkeit aushalten, in die Sie geraten, wenn Ihre Weltbilder sich als falsch erweisen und auch herauskommt, daß überhaupt alle Weltbilder falsch sind. Daß es da gar nichts mehr gibt!

Halten Sie es doch einmal aus, im Moment keine Antwort zu haben. Lassen Sie es doch einmal dabei und bewerten Sie diesen Zustand der Desorientierung nicht als negativ! Sie sind jetzt, gerade jetzt dabei, einen wichtigen Schritt zu wagen.



Geschichte als Falle
Der lebendige Impuls
 

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